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Über mich - warum Homöopathie?

Mein Name ist Dominik Müller, ich bin Facharzt für Allgemeinmedizin und beschäftige mich seit über 40 Jahren mit der Homöopathie.

Seit 1990 bin ich zunächst in einer vertragsärztlichen, seit 2001 in einer privatärztlichen Praxis niedergelassen. Basis für meine ärztliche Tätigkeit ist und bleibt die Schulmedizin. Oberstes Ziel bei der Behandlung ist, dem Patienten nicht zu schaden: Nicht zu schaden, durch eine unterlassene, dringend erforderliche und aussichtsreiche schulmedizinische Therapie. Aber auch nicht zu schaden, wenn eine homöopathische Behandlung vertretbar erscheint, und mögliche Nebenwirkungen der konventionellen Behandlung vermieden werden können.

Ich stamme aus einer schulmedizinischen Dynastie und hielt wie viele andere Kolleg(innen) die Homöopathie für eine Form von Placebo-Medizin, die bei den Ärzten meiner Familie eher verpönt war und belächelt wurde.

Im Rahmen eines Auslandjahres 1984 in Wien während meines Medizinstudiums drängte mich ein Mitstudent in eine homöopathische Vorlesung von Primarius Dr. Matthias Dorcsi mitzugehen: fasziniert und begeistert hat mich seine ganzheitliche Betrachtung und vor allem sein Umgang mit den Patienten, die er uns vorstellte. Die Homöopathie als Methode blieb mir weiterhin sehr suspekt.

Kurze Zeit später nahm ich an einem Kurs in der Kinder-Uni-Klinik Wien teil. Der Leiter der kinderneurologischen Abteilung unterrichte uns in der Diagnose und Behandlung von Kindern mit Anfallsleiden. Noch unter dem Eindruck der kurz zuvor besuchten Homöopathie-Vorlesung fragte ich den Professor nach der Vorlesung, ob man mit Homöopathie bei diesen Kindern etwas erreichen könne? Der Professor sah sich um, um sicher zu sein, dass keiner seiner anwesenden Assistenten mithören konnte. Zu meiner Überraschung sagte er mir dann: "Wenn ich die Kinder nicht anfallsfrei bekomme, schicke ich sie zum Kollegen Dorcsi (der damals in Wien ein bekannter und allseits geschätzter Arzt war). 50 Prozent dieser Kinder bekommt er anfallsfrei. " Diese Aussage dieses sehr kompetenten Professors war dann der Impuls, selbst zu überprüfen, ob an der Homöopathie etwas dran sein könnte.

Während der Zeit in Wien nahm ich an einer Arzneiprüfung mit einem Arzneimittel in der Potenz C30 teil. Nachdem ich mir ein Repertorium und eine Arzneimittellehre besorgt hatte, notierte ich mir die Symptome, repertorisierte diese und machte einen Arzneimittelabgleich. Ich konnte dem überraschten Prüfungsleiter den korrekten Namen der Arznei nennen. Bei mehreren hundert bekannten Arzneimitteln ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, die richtige Arznei, ein selten verordnetes Mittel (Ambra grisea) zu erraten, was mich staunen ließ.

Bei einem späteren Besuch im Labor Gudjons standen mehrere Kolleg(innen) und ich längere Zeit im Labor, in dem eine Mitarbeiterin gerade eine Arznei in Hochpotenz (zwischen C200 und C1000) von Hand potenzierte. Brita Gudjons, die Inhaberin der Apotheke, erklärte uns die Herstellung der Arzneien, ohne den Namen des Arzneimittels zu nennen oder zu wissen, das die Laborantin gerade potenzierte. In der Nacht entwickelte ich heftige, mir nicht erklärliche Symptome. Gegen Morgen, nach einer schlaflosen Nacht, dämmerte mir, dass die Dämpfe der intensiv verarbeiteten Arznei die Ursache sein könnten. Frau Gudjons lachte nur, als ich ihr die Arznei (Arsenicum Album) korrekt benennen konnte, die am Vortag bearbeitet wurde: "Sie sind auch einer von den Sensiblen, Hahnemann hätte eine Freude als Prüfer an Ihnen gehabt!" Im Gespräch bestätigte sie, dass es immer wieder Besucher gebe, die nach dem Besuch des Labors gerade während der Herstellung von hohen Potenzen von Prüfungssymptomen berichten.

Jahre später, im Herbst 1990 - nach den ersten besuchten Fortbildungskursen in Homöopathie - behandelte ich an einem freien Mittwoch Nachmittag als fertiger Facharzt für Allgemeinmedizin eine Patientin mit einem seit Jahren bestehenden schweren chronischen Schwindel. Mit wenig praktischer Erfahrung, wahrscheinlich mit mehr Glück als Verstand fand und verordnete ich nach einer ausführlichen Anamnese das passende Simile (Pulsatilla C200). Die Patientin war innerhalb weniger Tage von ihrem langjährigen Schwindel. Nachbeobachtung mehr als 10 Jahre.

Ohne jegliche Werbung sprach sich das rum, und die Nachfragen nach homöopathischer Behandlung wurden mehr und mehr. Die Homöopathie entwickelte sich zum Schwerpunkt meiner Praxis. Ich besuchte viele weitere Kurse. Viele, von denen ich heute sagen würde, es war vergeudete Zeit.

Später wurde ich als Dozent des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) berufen und war lange Zeit in der Aus- und Weiterbildung homöopathischer Ärzte, unter anderem im Dreimonats-Kurs in Augsburg tätig.

Über viele Jahre leitete ich als von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern ausgebildeter und anderkannter Moderator den überörtlichen Qualitätszirkel "Klassische Homöopathie".

Seit 2004 bin ich Prüfer für die Zusatzbezeichnung "Homöopathie" bei der Bayerischen Landesärztekammer und habe einen guten Einblick in den Wissenstand der Kolleg(innen), die die Homöopathie erlernen und ausüben wollen.

Über viele Jahre arbeitete ich am Projekt der Materia Medica Revisa Homoeopathiae mit und habe Monographien zu 10 verschiedenen homöopathischen Arzneimitteln verfasst.

Während dieser Zeit habe ich viele homöopathische Arzneiprüfungen gesichtet und hunderte Kasuistik aus homöopathischen Journalen revidiert. Darüber habe ich einen sehr guten Einblick in die homöopathische Literatur und die Entwicklung der Homöopathie von Hahnemann bis in dienheutige Zeit erhalten. Das Studium so zahlreicher Kasuistiken war für meine praktische Arbeit und die Verordnungssicherheit von entscheidender Bedeutung.

Faszinierend dabei waren im Rückblick vor allem zwei Dinge: Eine Patientin, die diese Arbeit sehr interessiert verfolgte, wollte unbedingt selbst eine Arzneiprüfung in einer Hochpotenz C200 machen: die von ihr berichteten Symptome bei verschiedenen Arzneimitteln deckten sich im Sinngehalt mit vielen Symptomen der Prüfungen Hahnemanns vor fast 200 Jahren.

Der zweite faszinierende Punkt: Im Rahmen des Projektes sichteten wir jeweils alle bekannten Kasuistiken zu den jeweiligen Arzneimitteln, z.T. mehrere hundert Kasuistiken. Darunter fanden sich zahlreiche Fälle aus verschiedenen Ländern (USA, europäische Länder) und aus völlig unterschiedlichen Zeiträumen (vom frühen 19. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert), bei denen erfahrene Ärzte aufgrund ähnlicher Symptome zur exakt gleichen (erfolgreichen) Arzneiwahl kamen. Eine gegenseitige Kenntnis der Publikationen kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. Das immer und immer wieder zu sehen, ist für mich persönlich - neben oben geschilderten persönlichen Erfahrungen - der schlagendste Beweis für die Wirkung der Homöopathie.

Vielleicht auch deswegen, weil nach vielen Jahren des Studiums so zahlreicher Kasuistik sehr offensichtlich wird, dass es unter den homöopathischen Ärzte wahre Meister ihres Faches gab. Diese beobachteten einerseits exzellent, andererseits entwickelten sie eine schlafwandlerische Sicherheit in der korrekten Arzneiwahl. Eine Nebenbemerkung: die Wirkung der Homöopathie in Bezug auf die ihre Evidenz wird sehr kontrovers diskutiert. Die zweite Säule der EbM ist die Kompetenz und Erfahrung des Arztes, die bei vielen heutigen evidenzbasierten Maßnahmen sich darauf beschränkt, aufgrund von bestimmten Befundkonstellationen eine entsprechend (meist wenig individualisierte) Therapie anzusetzen und zu überwachen. In der Homöopathie spielt die Erfahrung, Kompetenz und Wissen eine viel größere Rolle als in der konventionellen Medizin. Welch große Rolle diese spielt, kann man erahnen, wenn man sich die Mühe macht, den alten Meistern mit viel Geduld über die Schultern zu sehen.

In verschiedenen homöopathischen Journalen habe ich zu diesem Themenbereich Artikel publiziert.

Jetzt, da meine berufliche Laufbahn sich langsam aber sicher dem Ende nähert und der homöopathische Nachwuchs immer weniger wird - nicht die Nachfrage nach homöopathischer Behandlung, möchte ich das wirklich Gesicherte vom Gelernten weitergeben.

Was ist das Ziel dieses Guides? Die vielen Umwege, die ich selbst aus Unwissenheit gegangen bin, vermeiden helfen. Das was sich häufig und immer wieder bewährt hat, weitergeben. Und: Wie kann in heutiger Zeit die homöopathische Behandlung in eine volle (nicht übervolle) (haus)ärztliche Praxis integriert werden?

Zuletzt eine Warnung an alle interessierten und neugierigen Leser(innen): die Homöopathie ist eine Heilkunst und braucht Zeit, Geduld und vor allem aufmerksames Zuhören, um sie zu erlernen. Aber was gibt es erfüllernderes als akut und chronisch Kranke schnell, sanft und dauerhaft zu heilen? Ein letztes, fast täglich beobachtetes Phänomen: bei vielen, ja den meisten erfolgreichen Verordnungen bin ich meist überraschter als meine Patient(innen), die eine heilende Wirkung der Arznei häufig ganz natürlich finden.

DANKE für Dein / Euer Interesse.